Freud

Freud

Zusammenfassung:

Freud ist die Geschichte der Entstehung der Freudschen Psychoanalyse zwischen 1885 und 1900. Freuds Stationen beginnen mit seiner Reise zu Charcot, dem Hypnosespezialisten, in Paris, was den Bruch mit Freuds bisherigem Mentor, dem Neurologen Prof. Meynert, zur Folge hatte. Hierauf folgen

  • die Zusammenarbeit mit Breuer, insbesondere im Fall der Anna O. (in der ersten und zweiten Fassung des Filmskripts Cäcilie Körner genannt), und die Übernahme von Breuers auf Hypnose und Suggestion beruhenden kathartischen Methode,
  • der Streit und anschliessende Bruch mit Breuer, weil Freud unter dem Einfluss seines neuen Freundes Fliess in der Sexualität die Herrscherin der Psyche sieht,
  • die Entwicklung der Verführungstheorie durch Freud, wonach frühkindlicher sexueller Missbrauch der Ursprung von Neurosen sind,
  • die Aufgabe der Hypnose und dann der aktiven Befragung der Patienten zugunsten der analytischen Methode, wo der Psychoanalytiker als passiver Zuhörer die Patientin frei assoziieren lässt, und
  • schliesslich die Entwicklung des Konzepts der Ödipuskomplexes (Kinder lieben sexuell ihren gegengeschlechtlichen und hassen ihren gleichgeschlechtlichen Elternteil) unter Aufgabe der Verführungstheorie, was zu einem Bruch mit Fliess führt.

Freud ist mehr als nur eine einigermassen chronologische Wiedergabe der Entstehungszeit der Freudsche Psychoanalyse. Freud ist mehr noch eine Interpretation der Motive Freuds. Über allen dominiert das Vatermotiv. Freud hatte eine ganze Reihe von Vätern, angefangen von seinem leiblichen Vater Jakob über Meynert, Breuer und Fliess, die er alle nacheinander „ermordete“, bis er am Schluss selbst feststellen konnte: Alle Väter sind tot; jetzt bin ich der Vater. Sein Vaterkomplex war Teil von Freuds Neurose. Erst dies liess Freud zum Gründer der Psychoanalyse werden. Seine Neurose drückte sich nicht nur in seinem Verhältnis zu seinen Über-Vätern aus, aber auch in seiner Eisenbahnphobie und in seinem Rauchen. Das dritte wichtige Element nach dem Vatermotiv und der Neurose ist Freuds Judentum. Die Psychoanalyse ist Freuds Antwort auf den Antisemitismus seiner Zeit, den auch Freud immer wieder erfuhr. Nach Freud muss der Jude der Beste sein. Aber unter keinen Umständen wollte Freud ein guter Jude, sondern vielmehr ein Rebell sein. In den Motiven Freuds findet sich die Erklärung für Sartres Interesse an diesem Drehbuch. Freud ist nicht nur Sartres Gegenstück – der vaterorientierte Freud vs. der vaterlose Sartre –, sondern ist, was die Bedeutung der Neurose als Quelle kreativen Schaffens anbetrifft, eine Parallele zu Sartres eigenem Verständnis von sich selbst (cf. Les Mots). Und was die Rolle des Antisemitismus betrifft, so hatte Sartre ähnliche Ideen schon in Réflexions sur la quéstion juive entwickelt.

Szenario Freud: Vergleich Exposé und der zwei Fassungen von 1959 und 1959/60

 

EXTERNER LINK:

Seeing Huston's Freud  Über die Entstehung des Films über Freud

 

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