Les mouches / Die Fliegen

Les mouches

Zusammenfassung:

Orest kehrt nach Argos zurück, wo Ägist König Agamemnon, den Vater von Orest und Elektra, vor fünfzehn Jahren umgebracht hatte und sich an seine Stelle auf den Thron setzte und die Königin Klytämnestra, seine Geliebte, heiratete. Seit jener Zeit herrscht in Argos ein Kult der Trauer, der Reue, des öffentlichen Bekenntnisses der Sünden, der Gewissensbisse. Letztere werden durch die allgegenwärtigen Fliegen symbolisiert. Die Toten kehren jedes Jahr für 24 Stunden nach Hause zurück. Die Lebenden können die Toten zwar nicht sehen, doch sie haben Angst vor ihren Vorwürfen. Nur wer Angst hat, ist in Argos ein anständiger Mensch. Zu Beginn folgt Orest noch der Vorstellung seines Lehrers, dass echte Freiheit frei von Bindungen zu sein heisst. Doch bald erkennt er, dass, wer ohne Bindungen ist, wurzellos ist. Blos­ses Wissen schafft keine Bindungen. Nur aktives Handeln und die Erinnerung daran kann diese schaffen. Um diese Gemeinsamkeit mit den Einwohnern von Argos zu schaffen, entschliesst sich Orest, mit der moralischen Unterstützung von Elektra seine Mutter Klytämnestra und König Ägist zu töten.

Der Gegenspieler von Orest ist Jupiter, der Gott des Todes und der Reue, der auch für die christliche Religion steht, für die Sklavenmoral im Sinne Nietzsches. Jupiter liebt die Leute von Argos, denn sie empfinden Reue. Vor nichts fürchtet sich Jupiter so sehr, wie dass die Menschen wüssten, dass sie frei sind. Denn Menschen, die wissen, dass sie frei sind, werden gottähnlich, entziehen sich dem Einfluss der Götter. Der freie Mensch ist das wahre Ebenbild Gottes. Selbst Gefangene und gekreuzigte Sklaven sind in diesem Sinne frei. Die Menschen sind frei und müssen ihren eigenen Weg erfinden. Menschen, die frei sind, werden aber auch zu Aussätzigen der Gesellschaft, die von den Bauern mit ihren Mistgabeln verfolgt werden. Die Menschen wollen sich ihrer Freiheit, ihrer obszönen, faden Existenz nicht bewusst werden. Freiheit bedeutet Verbannung. Und genau dies trifft auf Orest zu. Sein acte gratuit, die Ermordung Klytämnestras und Ägists, macht ihn seiner Freiheit erst voll bewusst. Und das Leben beginnt für Orest erst mit diesem Akt. Durch seine Tat hat Orest seine Existenz fest verankert. Dadurch ist Argos seine Stadt geworden. Doch die Leute von Argos akzeptieren Orest nicht. Er ist frei, und sie sind die Gefangenen ihrer selbst. Orest ist ein König ohne Land und Untertanen. Verfolgt von den Erinnyen zieht Orest davon und überlässt er Argos seinem Schicksal. Ganz anders Elektra. Sie bekennt sich nicht mehr zur Tat. Elektra fühlt sich unfrei, weil sie die Tat nicht mehr ungeschehen machen kann. Sie empfindet Reue, Gewissensbisse. Ganz zum Gefallen von Jupiter. Er verlangt wenig, nur etwas Reue, nur dass Elektra nicht mehr zu ihrer Tat und ihrer Vergangenheit steht. Aber dadurch, dass Elektra Reue empfindet, wird sie zur Sklavin zur Sklavin Jupiters und der Moral.

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